Ungegenständliche Malerei I nonobjective painting

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Über meine Malerei

In meiner ungegenständlichen Bildern ( abstrakte Malerei ) beschäftige ich mich mit der Entwicklung komplexer Bild-Strukturen. Meine Bilder entwickeln sich aus sich selbst. Es gibt keine Idee, kein Konzept, keine Strategie, keine Titel. Ich setze eine erste Fläche, einen ersten Punkt, eine Linie auf den Bildgrund und von da an reagiere ich auf das, was ich sehe. Beim Malen versuche ich den Punkt zu finden, bei dem Offenheit und Prägnanz des Gesamteindrucks für mich überzeugend wirken. Alle Elemente sollen möglichst mit allen anderen Elementen des Bildes interagieren, visuelle Schwerpunkte versuche ich zu setzen – und gleichzeitig in der Schwebe zu halten. Das Bild ist dann fertig, wenn es sich einer unmittelbaren Erfassung entzieht, sich aber nach kurzer Zeit doch ein oder mehrere schlüssige Wege durch das Bild aufzeigen. Interessant dabei ist für mich zu sehen, wie ich auf diese komplexe visuellen Strukturen reagiere. Irgendwie intuitiv körperlich und sehr konkret zu beobachten, wie Bilder manchmal funktionieren und manchmal nicht. Das fertige Bild ist die Chronik seines Entstehungsprozesses – ein Prozess, der beim nächsten Bild, mit den hinzugekommenen Erfahrungen, fortgeführt wird. Die Formen innerhalb des Bildes sind nicht abbildhafter, sondern prozesshafter Natur.

Die Frage, wie wir uns als Menschen in komplexen Bildern orientieren, sowie das Prozesshafte von jeglichem Bildbewusstsein ist Thema dieser Malerei.

Rede von Dr. Martin Stather anlässlich der Ausstellungseröffnung in der Stadtgalerie Mannheim, 7. Mai 2008

Ungegenständliche Malerei

Leinwand oder Papier bilden das Geschehen der Malerei vor dem Betrachter ab. Als Fixpunkte in einer Reihe von Reflektionen über Mittel und Ausdruck besitzen Werke der Kunst eine Art objekthafte Statik, setzen sie Eckpunkte im Fluß geistiger Auseinandersetzung. Als Produkt dieser Auseinandersetzung destilliert das Werk Gedanken und vermittelt gleichzeitig den Vorgang der Entstehung, manchmal nachvollziehbar, manchmal nicht. Das jeweils gewählte Format steckt Grenzen ab, die gedanklich überschritten werden. Andreas Wolf schafft eine Malerei, die dem Fluß der Gedanken folgt, mit kalkuliertem Zufall arbeitet: Farbe, Flächen und grafisch-lineare Elemente bilden eine fein verknüpfte Komposition, die nach und nach prozesshaft entsteht. Flächen, die den Pinselduktus sehen lassen und glatte, monochrome Farbflächen bilden ein fein gewebtes Geflecht von Malerei, die keine gegenständliche Abbildung sucht. Zufall, Unbewußtes und bewußt Gesteuertes verbinden sich in Wolfs Malerei zu einem Bildteppich, der keine Tiefe und dreidimensionale Raumerfahrung abbildet, sehr wohl sich aber in verwobenen Schichten auf dem Malgrund ereignet. Wie Farbinseln verteilen sich Farbe und Linie auf der Leinwand, suchen die Verbindung zueinander und bilden ein unauflösbares Ganzes. Die Kompositionen entstehen dabei im Prozeß des Malens, sind nur im Ansatz vorgedacht und spontan dem Einfühlungsvermögen und der Imagination des Malers unterworfen. Anders bei den kleinen Arbeiten und Arbeiten auf Papier, die alle mit Bleistift vorgezeichnet und kompositorisch durchgeplant sind. Die Bilder entwickeln beim Malakt trotz ihrer verhältnismäßigen Kleinteiligkeit eine gewisse Opulenz, die das Bildformat zu sprengen scheint. Das scheint jedoch nur so, denn schließlich ist das gewählte Bildformat bewußt begrenzt und die Komposition nimmt Rücksicht darauf. Wir sehen Arbeiten aus den letzten vier Jahren, die deutlich machen, daß hier Malerei geschieht, die dem gleichen Impuls, jedoch unterschiedlichen Herangehensweisen folgt. Die älteren Arbeiten halten die Farbvaleurs im Großen und Ganzen auf der gesamten Malfläche und leben von starken Komplementärkontrasten. Die Vielschichtigkeit der Malerei erschließt sich dabei erst im Nachvollziehen der Arbeit. Gerade die neueren Arbeiten zeigen eine Hinwendung zu weniger opulenter Formenvielfalt und zu weniger dafür aber deutlicheren Farbkontrasten unter Einbeziehung von einzelnen Leuchtfarben. Auch das Weiß des Malgrundes wird stärker als Formelement ins Bild einbezogen und zusätzlich als Farbe genutzt. Aufrisse, Verschiebungen und Gitterstrukturen verselbständigen sich stärker – die Komposition gewinnt an Luft, an Klarheit und an einem diffizileren Gleichgewicht. Das große Glasbild behauptet sich gegen die beinahe sakrale Glaskunst der 50er Jahre hier in den schönen Räumen der Stadtgalerie im Rathaus besonders gut. Die Transparenz der beiden Bilder, die man beim Umrunden gegeneinander setzen kann, beherrschen den Raum mühelos. Man würde sich wünschen, daß in naher Zukunft ein Ort für die Stadtgalerie gefunden wird, der mit den Ambitionen der Stadtspitze, Kulturhauptstadt zu werden, korrespondiert. Wolfs Bildwelt folgt ihren eigenen Gesetzen und hat auf den Betrachter die beunruhigende Wirkung einer Urwaldexpedition, bei der man nicht vorhersehen kann, was im nächsten Augenblick geschehen wird. Eine wunderbare Malerei aus fließender Bewegung und abrupter Veränderung lassen den Prozeß des Malens als ein Ineinandergreifen verschiedenster, teils widersprüchlicher Ansätze und Denkbarkeiten transparent werden. Auf den Erfahrungen der Moderne fußend, ist sich Andreas Wolfs Malerei der Kunstgeschichte, zumal des 20. Jahrhunderts, sehr bewußt. Gerade deshalb jedoch beharrt sie eigensinnig auf einer Eigenständigkeit des Ausdrucks und ist vor allen Dingen dem Sehen und Denken verpflichtet, das seine eigenen Wege geht. Wolfs Arbeiten behaupten sich in ihrer spielerisch-programmatischen Entwicklung und Darlegung grafischer und malerischer Grundelemente. Ungegenständliche Malerei at its best – sonst nichts. Martin Stather

Zur Apologie ungegenständlicher Malerei | Dr. Anna E. Wilkens

Raum und Relation – Andreas Wolfs ungegenständliche Bilder

Dies sind ein paar Gedanken dazu, warum und inwiefern ungegenständliche Malerei wichtig und notwendig ist, in welcher Weise ungegenständliche Malerei etwas für das menschliche Leben Wichtiges und Bedeutungsvolles leisten kann.

Was Kunst überhaupt von anderen Formen kulturellen Lebens unterscheidet, ist sicherlich eine für sie notwendige Verbindung von Körper und Geist; Kunstgegenstände sind solche, die wahrgenommen werden können, also eine sinnliche Seite haben, und gleichzeitig auf den Geist der Rezipierenden oder Teilnehmenden oder Schaffenden wirken, also eine ideelle Seite haben.

Wenn wir davon ausgehen, dass Bilder bedeutungsvoll sind, dann folgt daraus, dass ein Bild entweder aus intelligiblen Zeichen besteht oder in seiner Gesamtheit ein solches ist.
Es geht im ungegenständlichen Bild aber gerade nicht um lesbare Zeichen, sonst wäre es nicht ungegenständlich, sondern allenfalls abstrakt. Die Bedeutung des ungegenständlichen Bildes liegt jenseits einer durch Zeichen gebildeten Aussage, es ist nicht ein Satz von Zeichen, der eine Aussage bilden würde, eine Geschichte oder eine sprachlich vermittelbare etwa philosophische Wahrheit, die aus Bildmitteln in Sprache übersetzt werden müsste, sondern das ganze Bild ist diese Wahrheit.
Diese Wahrheit ist die Relationalität, ohne die kein Bild auskommt – auch kein irgendwie abbildendes als gegenständliches oder abstraktes, ohne die es gar kein Bild ist. Umgekehrt: Was in einem Bild immer enthalten ist, ist die Beziehung aller Elemente im Bild zu allen anderen, die erst in ihrem Zusammenwirken ein Bild ausmachen, das Bild sind. Das muss man sich so vorstellen, dass nicht erst alle Einzelelemente da sind, die dann in eine Beziehung zueinander treten, sondern ohne die Beziehung, das Zwischen, das zwischen allen Farben, Linien, Flächen Liegende ist das Bild gar nicht, die Relationalität, das Beziehungsgeflecht ist nicht eine conditio sine qua non, sondern die conditio per quam.
Das Bild geht hierbei über die Zweidimensionalität hinaus. Die Fläche wird zum Raum zum einen durch das Übereinanderliegen der Farbschichten. Dies ist mehr oder weniger gut sichtbar auf verschiedenen Bildern; bei einigen jedoch ist die Materialität der Farbe selbst konstitutiv für die Bildwirkung. Zum anderen entsteht durch die Anordnung der Farbflächen Raumwirkung. Drittens steht (hängt) das gemalte Bild in einem räumlichen Kontext. Allerdings ist das Bild nur mittelbar in der Zeit, es hat zwar Teil an zeitlichen Abläufen – des Schaffens und der Rezeption – ist aber doch Gegenstand.

Bilder haben also immer einen Kontext, weil sie sich im Raum befinden, wie auch immer dieser Kontext aussehen mag, das Bild geht eine Beziehung zu ihm ein, es ist also mehr als nur das innerhalb des tatsächlichen oder gedachten Rahmens sich Befindende. Es breitet sich im Raum aus. Alle Betrachtenden werden so zu einem Teil des Kontextes des Bildes, geraten in die Einflusssphäre des Bildes und werden so gewissermaßen selbst Teil des Bildes und seiner Relationalität.

Für den Schaffensprozess gelten ähnliche Prinzipien der Ausweitung, oder besser: des Ausgebreitetseins, der Öffnung in die Umgebung hinein, denn ein Kunstwerk ist immer ein kollektives Ereignis, indem sich sowohl die Kunstschaffenden wie auch die Betrachtenden in einer Gemeinschaft von Menschen befinden, in ihr aufgewachsen, von ihr geprägt sind. Diese Prägung ist prozesshaft und unabgeschlossen, unendlich also. Auch während des Malens wirkt diese Prägung nicht nur, sondern sie erfolgt. Alles Bildererschaffen und -rezipieren ist immer sowohl bedingt als auch performativ, also in seiner Aktualisierung sich und die Umgebung verändernd. Ein Kunstwerk, ein Bild, ist ein Gegenstand, das aus einem Prozess entspringt, der viel mehr einbezieht als nur das Malen; als gemaltes ist das Bild ein Gegenstand, der sich ebenfalls in einem Prozess befindet, dem des Rezipierens und dem der Kommunikation zwischen Bild und umgebendem Raum und Betrachtenden, und so, indirekt allerdings, zwischen der gesamten Welt der Malerin und der gesamten Welt der Betrachterin.
Zum Abschluss: ungegenständliche Malerei ist sicherlich nicht notwendig zur Lebenserhaltung, nimmt aber innerhalb kultureller Erscheinungen einen herausragenden Platz ein; dort ist sie unersetzlich, weil keine andere Praktik in gleicher Weise die Relationalität des Partikularen, das Verbundensein in der Vielheit des Verschiedenen zeigen und sein kann. Gerade durch das Nicht-Zeichenhafte der Farben, Linien, Flächen, Strukturen ist die ungegenständliche Malerei entfernt vom Begrifflichen und hat so Raum für das Nichtidentische, das Viele und für das Faktum, dass dieses Viele immer schon beziehungshaft verbunden ist.

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